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Deontik
Es ist zwischen Tatsachenwissen wie etwa "Die Erde umkreist die Sonne" einerseits und Verhaltensregeln andererseits genau zu unterscheiden. Eine solche Verhaltensregel steht zum Beispiel auf dem Schild in einem Bus, die besagt, "In diesem Bus ist das Rauchen verboten". Diese Regel teilt kein Wissen mit. Sie schreibt etwas vor. Die Klasse der Verhaltensregeln umfasst drei Arten von solchen Vorschriften, die als Gebote, Verbote und Erlaubnisse bekannt sind: "Du sollst …", "Du darfst nicht …", "Du darfst …". Sie enthalten deontische Operatoren? und werden daher als deontische Regeln (oder fälschlich: deontische Aussagen) oder Normen? bezeichnet. Das Wort "deont-" stammt aus dem Griechischen (δέον, deon) und bedeutet "was nötig ist, Pflicht".
Es empfiehlt sich, alle Disziplinen, die sich mit deontischen Regeln beschäftigen, unter dem Oberbegriff "deontische Disziplinen" oder Wissenschaften zusammenzufassen. Beispiele sind: Ethik,? Rechtswissenschaften,? deontische Logik,? Philosophie der Normen und Werte. Auch die Medizin ist, (nach Sadegh-Zadeh 1983, 2000, 2009), eine deontische Wissenschaft. Deontische Wissenschaften gehören zu den Handlungswissenschaften.
Es empfiehlt sich ferner, die Tätigkeit einer deontischen Wissenschaft kurz als Deontik zu bezeichnen. Dieses Wort wurde erstmalig von dem Begründer der modernen deontischen Logik, dem österreichischen Philosophen Ernst Mally, im Vorwort seines Buchs (Grundgesetze des Sollens, 1926) verwendet. Er verstand darunter "eine Logik des Willens".
Literaturverzeichnis
[1] Mally E. Grundgesetze des Sollens. Elemente der Logik des Willens. Graz: Leuschner & Lubensky, 1926.
[2] Sadegh-Zadeh K. Medizin als Ethik und konstruktive Utopie. Teil 1. Tecklenburg: Burgverlag, 1983.
[3] Sadegh-Zadeh, K. Fuzzy health, illness, and disease. The Journal of Medicine and Philosophy 2000; 25: 605-638.
[4] Sadegh-Zadeh, K. Medizintheorie. Tecklenburg: Burgverlag, 2009 (in Vorbereitung).